In der heutigen Landtagsdebatte um den Antrag der AfD „Offenlegung der Belastungsentwicklungen im Mittel- und Niederspannungsnetz durch den Anschluss von Wind- und Solarenergieanlagen“ wurde deutlich, dass sie sich einen Scheiß um den Ausbau der Erneuerbaren Energien interessiert!

Sie versucht aufzuzeigen, dass die Energiewende zu zu hohen Kosten für die Verbraucher führt.

Meine Gegenreaktion findet ihr hier:

 

Sehr geehrter Herr Präsident,

meine Damen und Herren,

die Antwort der AfD auf meine Zwischenfrage von gerade eben beweist:

Das Thema Energiewende geht der AfD am Arsch vorbei!

Und mit diesem Antrag wollen sie ausschließlich Stimmung gegen all jene machen, denen Klimaschutz und die Zukunft dieses Planeten wichtig ist. Sie wollen zurück zur Kohle und zurück zu zentralen Strukturen, wo die Gewinne wieder nur an einzelne Konzerne gehen und Risikotechnologien den Stromsektor dominieren!

Das machen wir nicht mit! Wir wollen dezentrale Strukturen! Umweltfreundlich und sicher!

 

Selbstverständlich kostet die Energiewende Geld – und das auch nicht wenig. Da musste man, und muss man auch noch viel investieren.

Man musste aber auch so – ohne Energiewende und auch ohne AfD viel investieren hier im Osten. Nach dem Beitritt in die BRD, als viele Industrieunternehmen und auch Kohlekraftwerke, Chemiebuden usw. stillgelegt wurden, blieben die Leitungsnetze und die entsprechenden Infrastrukturen zurück. Erst in den späten 90er Jahren begann die Modernisierung und Umstrukturierung der Netze, was so oder so erfolgen musste.

Allerdings konnte man da schon Planungen für Erneuerbare und dezentrale Anlagen einbeziehen bzw. diese gut integrieren. Und genau das macht auch die Stärke des Ostdeutschen Netzes aus: Das eben hier ein Großteil modernisiert ist – und die neuen Anforderungen besser managet als im Vergleich mit Westdeutschland, wo diese Modernisierungen teilweise erst jetzt erfolgen.

Man konnte die Trassen von damals und sogar vorhandene Leitungen nutzen um sich hier sehr gut für ein erneuerbares Zeitalter zur rüsten. Man hat die Sache in die Hand genommen und das nicht nur im Hoch- sondern auch im Niederspannungsnetz.

Wir im Osten haben bei erneuerbaren Energien die Nase vorn! Mehrere 100.000 Jobs wurden geschaffen. Den Leuten wurde vor Ort eine Perspektive gegeben. Und man hat einen erheblichen Anteil an der deutschen und Europäischen Energiewende geleistet.

Andere Ostdeutsche Länder noch mehr als Sachsen, aber immerhin.

Das eigentliche Problem worauf sie auch versuchen hinzuweisen, sind die höheren Netzkosten hier im Osten. Weil unsere Netze modernisiert sind, die Westdeutschen aber nicht, sie aber unseren Strom beziehen und wir am Ende dafür zahlen.

Und das ist auch das Problem, was wir als erstes hier im Plenarsaal im Februar in einer aktuellen Debatte angesprochen haben.

Und wurde schließlich von allen Fraktionen hier bestätigt. Und einen Monat später von der Koalition nocheinmal mit einem Antrag untersetzt, dem wir auch zugestimmt haben.

Es geht darum, dass nicht einzelne Regionen hohe Netzentgelte aufgrund moderner Leitungen zahlen müssen, sondern all! Das muss bundesweit solidarisch auf breitere Schultern verteilt werden.

Doch wie man gestern der Presse entnehmen konnte, gibt es dazu bisher bei der Bundeskoalition keine Bewegung. Das Vorhaben sei „gescheitert“, hieß es aus der Unionsfraktion.

Und genau das ist das Problem was dringend zu lösen ist und hier angesprochen werden muss! Hier braucht es Veränderung, hier braucht es Druck!

 

Doch nun zu ihrem Antrag.

Sie haben diesen vor zwei Wochen eingereicht und dabei eine Stellungnahme der Staatsregierung beantragt.

Die Stellungnahme interessiert mich auch. Sie aber offensichtlich nicht! Es ist doch völlig absurd, diesen Antrag hier ins Plenum zu setzen, aber gleichzeitig eine Stellungnahme der Staatsregierung zu beantragen, die Antwort aber nicht abzuwarten und in ihre Debatte einzubeziehen oder dementsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen.

Sie hätten da sicherlich ein paar Antworten auf ihre Fragen bekommen. Zum Beispiel das es entsprechende Untersuchungen der Netzbelastungen durch die Bundesnetzagentur bereits gibt und diese mit den Netzbetreibern genau dazu arbeitet.

Ebenso wie es auch entsprechende Netzausbaupläne der Bundesregierung gibt, die auch die nötigen Investitionen anzeigt.

Sie verweisen teilweise selber darauf!

Es geht aber um mehr als nur neue Leitungen im Hoch- und Niederspannungsnetz. Es geht vor allem um intelligente Lösungen. Denn der Strommarkt wandelt sich – und das zurecht! Es gibt immer weniger Groß- und immer mehr Kleinerzeuger für elektrischen Strom. Und das hat natürlich Auswirkungen auf unser Netz.

Wo früher und auch heute noch ein Kohlekraftwerk kontinuierlich Strom produziert hat, obwohl dieser Strom gerade gar nicht gebraucht wird wie jetzt aktuell, gibt es in Zukunft flexible, dezentrale und umweltfreundliche Produzenten. Es geht also darum, Überkapazitäten abzubauen und gleichzeitig die Stromversorgung sicherzustellen.

Und das ist auch heute schon mit Erneuerbaren Energien möglich.

Und ja, diese sind zum Teil Wetterabhängig.

Aber es gibt auch schon seit über 100 Jahren einen Wetterbericht in diesem Land und man kann ziemlich genau vorhersagen, wie sich die Stromproduktion in den nächsten Stunden und Tagen entwickelt.  Es muss also darum gehen den Strom intelligent zu nutzen.

Und das nicht nur bei der Produktion, also ein Kohlekraftwerk herunter zu fahren bei einem Tag wie heute. Sondern man muss auch den Verbrauch steuern. Und das funktioniert auch heute schon mit Hilfe von Smart Grids, also intelligenten Steuerungsinstrumenten

Unzählige Unternehmen agieren am Spotmarkt bei der Leipziger Strombörse. Und kaufen Strom im Viertelstundentakt – und zwar genau dann, wenn zu viel davon da ist.

Genutzt wird dieser dann um die Kühlanlage im Industrielager anzuwerfen, oder eben um Wasser für einen Reinigungsprozess zu erwärmen. Genau darum muss es gehen. Strom intelligent nutzen. Denn der überschüssige Strom kann nicht nur für den klugen Verbrauch genutzt werden, sondern auch zur Speicherung. Im Grunde ein sehr altes Verfahren. Das Pumpspeicherkraftwerk wird befüllt, wenn viel Strom da ist. Und das geht auch Minutengenau.

Neu sind nun: Elektrische Speicher mit großer Effizienz, Power to Gas Anlagen, wo Wasserstoff produziert wird und ins Erdgasnetz gespeist wird wenn zu viel Wind weht. Damit kann dann ein Gaskraftwerk später flexibel laufen , oder auch Biogasanlagen, die eben nur dann das Methan verfeuern, wenn kein Wind weht oder Sonne scheint.

Man kann das ewig weitererzählen, vom Elektroauto was vorwiegend dann läd, wenn zu viel Strom im Netz ist, bis entsprechend zur Spülmaschine die dann eben startet.

Warum erzähle ich das? Weil es das Netz entlastet. Und dann nicht überlastet wird, was bestimmte Systemdienstleistungen erfordert. à Und so lange sie die Energiewende und damit Erneuerbare Energien und intelligente Systeme ablehnen, brauchen sie sich auch keine Gedanken um das Netz machen, weil sie damit rückwärtsgewandt und fortschrittsfeindlich sind!

Fahren Sie doch mal nach Leipzig zur Europäischen Strombörse und lassen sie sich zeigen – ich war erst letzten Monat wieder dort- , wie flexibel der deutsche Strommarkt heute schon ist – und was unser Netz schon heut leisten kann! Die Beantworten auch ihre Frage zur Netzstabilität.

Oder schauen sie doch mal bei der Firma Energy2marked vorbei. Das ist ein virtuelles Kraftwerk in Leipzig Plagwitz – extra gesichert, weil Systemrelevant. Das Kraftwerk besteht nur aus Büroräumen und hat eine Leistung von mehr als 2,7 MW. Das ist mehr als das Braunkohlekraftwerk Lippendorf im Süden von Leipzig. Und wie funktioniert das? Die steuern BHKWs, Solar- und Windanlagen, Gaskraftwerke und Wasserkraftwerke aus ganz Mitteldeutschland voll automatisiert. Und reduzieren Leistung bzw. produzieren sie vom Schreibtisch aus, wenn sie im Strommarkt gebraucht werden.

Auch solche virtuellen Kraftwerke entlasten das Netz und es zeigt, die sogenannte Grundlast ist auch mit erneuerbaren Energien möglich. Natürlich noch nicht zu 100 %, weil wir ja auch nur 30 % Erneuerbare Energien haben. Es geht also darum diese auszubauen. Das sollte das oberste Ziel für uns sein.

Und wenn sie hier mit ihrer Netzdebatte zu hohe Gebühren ansprechen und kritisieren wollen, dann frage ich mich verdammt nochmal, warum sie nicht dafür kämpfen, dass die Netzentgelte bundeseinheitlich gewälzt werden?

Oder das die Gebühren generell von mehr Schultern getragen werden? Großbetriebe sind davon vollkommen befreit! Und es werden immer mehr. Ergebnis ist, dass immer weniger die Kosten schultern müssen und dann natürlich Unmut aufkommt, wenn nur wir Bürger zahlen müssen, die Industrie aber fein raus ist.

Man kann da auch noch genauer hinschauen. Und die Frage stellen, warum die Kosten für die Bereitstellung des Netzes gleich hoch sind, egal wie oft es in Anspruch genommen wird. Denn in der Tat braucht man durch die virtuellen Kraftwerke oder Eigenproduzenten die Strom ins Netz einspeisen zusätzliche Netzleistungen weil das hin und her geht und stark schwankt. Das das jetzt die unteren Einkommensschichten über ihren Strompreis zahlen sollen ist ungerecht. Ebenso falsch ist es aber auch, die zu bestrafen, die die Überkapazitäten der Kohle und Atomkraftwerke ausgleichen.

Es braucht hier eine steuerfinanzierte Strategie und das kann man erreichen, indem man die Netze wieder in staatliche Hand bekommt. Darum sollte man kämpfen!

Oder man könnte dafür kämpfen, dass verdammt nochmal die vielen Pumpspeicherkraftwerke wieder ans Netz gehen. Es kann doch nicht sein, dass die günstigsten und vorhandenen Energiespeicher hier vor Ort vergammeln!

Oder das Thema Repowering, bessere Energieberatungen und vieles mehr.

All das entlastet das Stromnetz, weil wir damit zu Regelleistungen bei den Erneuerbaren Energien kommen, die Grundlastfähig sind.

Und all das sind Dinge die dringend zu klären sind! Und nicht ihre unehrliche Debatte die sie hier führen! Wir lehnen ihren Antrag daher ab!

 

AfD ist mal wieder besorgt…diesmal um die Energiewende – die Sie ablehnen!

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